Ein Herzinfarkt trifft viele Menschen wie ein Blitz aus heiterem Himmel – und doch sendet der Körper oft schon vorher stille Warnungen. Wer sie erkennt, kann Leben retten: das eigene oder das eines geliebten Menschen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Etappen eines Herzinfarkts – von frühen Warnsignalen über die medizinische Akutversorgung bis hin zur Phase der Heilung und einem bewussteren Leben danach.
Frühe Warnzeichen – wenn dein Herz um Hilfe ruft
Ein Herzinfarkt entsteht meist, wenn ein Blutgefäß des Herzens plötzlich verstopft. Oft macht der Körper aber schon vorher auf Probleme aufmerksam.
Typische Warnzeichen:
- Brustschmerzen oder Druckgefühl hinter dem Brustbein (länger als 5 Minuten)
- Ausstrahlung der Schmerzen in Schulter, Arm (meist links), Rücken oder Kiefer
- Atemnot, auch in Ruhe oder bei leichter Belastung
- Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Schwindel
- Unruhe, Angstgefühl, Todesangst
Frauen – oft andere Symptome
Frauen erleben Herzinfarkte häufig atypisch:
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Rückenschmerzen
- Übelkeit, Magenbeschwerden
- weniger typische Brustschmerzen
Sensibilität und Aufmerksamkeit sind hier besonders wichtig.
Stiller Herzinfarkt – Gefahr ohne klare Symptome
Rund 20–30 % aller Herzinfarkte verlaufen „stumm“.
Typisch bei:
- Diabetes mellitus
- sehr älteren Menschen
- Menschen mit Nervenschädigungen
Symptome können sein: leichte Übelkeit, Müdigkeit, Druck im Brustkorb, Atemnot.
Herzinfarkt in Zahlen (Deutschland)
- 348.312 Menschen starben 2023 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen*.
- 43.800 Todesfälle davon durch akuten Herzinfarkt*.
- Über 190.000 Klinikaufnahmen jährlich wegen Herzinfarkt*.
- Männer erkranken häufiger, aber Frauen sterben prozentual öfter daran**.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die häufigste Todesursache in Deutschland***.
Herzinfarkte sind keine Ausnahme – sie sind eine Volkskrankheit.
Was passiert im Körper während eines Herzinfarkts?
Ein Herzinfarkt bedeutet, dass ein Teil des Herzmuskels plötzlich nicht mehr genug Sauerstoff bekommt, meistens durch:
- ein Blutgerinnsel,
- eine geplatzte Plaque,
- eine komplette oder fast komplette Gefäßverengung.
→ Ohne schnelle Hilfe beginnen Herzmuskelzellen abzusterben.
Die wichtigsten medizinischen Schritte (MINUTEN ENTSCHEIDEN!)
- Notruf 112 wählen – sofort
- EKG & Blutwerte zur schnellen Diagnose
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie)
- Stent-Implantation, um das Gefäß wieder zu öffnen
- Intensivmedizinische Überwachung für die ersten Stunden
- Medikamente: Blutverdünner, Betablocker, Statine, ACE-Hemmer
Dank moderner Medizin überleben heute viele Menschen einen Herzinfarkt – doch der Prozess der Heilung beginnt erst danach.
Risikofaktoren – wer besonders gefährdet ist
| Nicht beeinflussbar | Beeinflussbar |
|---|---|
| Alter | Bluthochdruck |
| männliches Geschlecht | Rauchen |
| genetische Vorbelastung | hohes LDL-Cholesterin |
| hohe Lipoprotein(a)-Werte | Diabetes |
| Übergewicht (v. a. Bauchfett) | |
| Bewegungsmangel | |
| chronischer Stress | |
| Schlafstörungen (z. B. Schlafapnoe) |
Erste Hilfe beim Verdacht auf Herzinfarkt
Für Betroffene:
- sofort 112 rufen
- körperliche Belastung stoppen
- bequeme Position (Oberkörper leicht erhöht)
- enge Kleidung öffnen
- Ruhe bewahren
- falls verfügbar und verträglich: ASS 150–300 mg kauen (nur wenn Patient wach & nicht allergisch!)
Für Angehörige:
- bei Bewusstlosigkeit → stabile Seitenlage
- bei Atemstillstand → Herzdruckmassage 100–120/min
- nicht allein lassen
Prävention – so schützt du dein Herz
Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt acht zentrale Maßnahmen:
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren
- LDL- und Lipoprotein(a)-Werte prüfen
- Blutzucker im Blick behalten
- Rauchstopp – der wichtigste Schritt
- mediterrane Ernährung: viel Gemüse, Fisch, Olivenöl
- 150 Minuten Bewegung pro Woche
- Stress reduzieren (Achtsamkeit, Pausen, soziale Kontakte)
- ausreichend Schlaf (Schlafapnoe ernst nehmen)
Nachsorge – Heilung für Körper und Seele
✅ Medizinische Rehabilitation
- Bewegungstherapie
- Herzsportgruppen
- Schulungen zu Ernährung, Risikofaktoren
- psychologische Gespräche
✅ Medikamente
- Blutverdünner
- Betablocker
- Cholesterinsenker (Statine, ggf. PCSK9-Hemmer)
- ACE-Hemmer oder AT1-Blocker
✅ Herzfreundlicher Lebensstil
- Rauchstopp
- ausgewogene Ernährung
- Stressabbau
- regelmäßige Bewegung
Emotionale Heilung – wenn das Herz mehr braucht als Medizin
Viele Betroffene empfinden nach einem Herzinfarkt:
- Angst vor Überlastung
- Unsicherheit
- Traurigkeit
- Sorge um Familie & Zukunft
Hier helfen Gespräche mit Ärzt:innen, Psycholog:innen und Selbsthilfegruppen.
Viele erleben diese Zeit später als Wendepunkt hin zu einem bewussteren Leben.
Fazit: Wissen rettet Leben
Je mehr wir über den Herzinfarkt wissen, desto schneller können wir handeln – für uns selbst und für andere. Ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit kann Leben retten. Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für:
- einen Check-up,
- ein Gespräch in der Familie,
- oder eine ehrliche Selbstreflexion über das eigene Herz.
Herzgesundheit beginnt mit Bewusstsein – und mit der Entscheidung, gut für sich selbst zu sorgen.
* https://herzstiftung.de/system/files/2025-06/jahresbericht-2024.pdf
** https://herzmedizin.de/fuer-aerzte-und-fachpersonal/news/forschung-und-aktuelles/deutscher-herzbericht-update-2024.html
*** https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_317_23211.html