Der Dezember gilt seit Jahren als der Monat mit den meisten Herzinfarkten. Während viele Menschen an Lichterglanz und Feststimmung denken, ist dieser Monat für das Herz oft besonders belastend. Kälte, Weihnachtsstress, üppige Mahlzeiten, Infekte und ein generell hektischer Jahresausklang wirken zusammen – und können das Herz gefährlich überfordern.
In der kardiologischen Praxis von Prof. Sabin sehen wir jedes Jahr im Winter einen deutlichen Anstieg von Patientinnen und Patienten mit Brustschmerzen, Rhythmusstörungen, Atemnot oder akuten Herzproblemen.
Doch das Gute ist:
➡️ Viele dieser Ereignisse sind vermeidbar, wenn man die häufigsten Risikofaktoren kennt und rechtzeitig gegensteuert.
Kurzüberblick: Warum steigt das Herzinfarkt-Risiko im Winter?
TOP-5-Risikofaktoren für einen Herzinfarkt im Winter:
- Kälte → Gefäßverengung, Blutdruckanstieg
- Infekte → Entzündung & Herzmuskelbelastung
- Weihnachtsstress → hoher Blutdruck & Rhythmusstörungen
- Schwere Mahlzeiten & Alkohol → Belastung für Herz & Kreislauf
- Weniger Bewegung → schlechtere Gefäßfunktion
In diesem Artikel erklären wir, warum der Winter so belastend für das Herz ist – und wie Sie sich im Dezember konkret schützen können.
1. Warum steigt das Herzinfarktrisiko im Winter?
1.1 Kälte verengt die Gefäße – das Herz muss stärker arbeiten
Wenn die Temperaturen sinken, reagieren die Blutgefäße, indem sie sich verengen – ein natürlicher Schutzmechanismus gegen Wärmeverlust. Für das Herz bedeutet das jedoch:
- der Blutdruck steigt
- das Herz muss stärker pumpen
- der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels erhöht sich
Für Menschen mit unentdeckten Durchblutungsstörungen (Koronare Herzkrankheit) kann dieser zusätzliche Druck gefährlich werden. Deshalb treten im Winter häufiger:
- Angina-pectoris-Beschwerden
- Rhythmusstörungen
- akute Herzinfarkte
Besonders riskant:
Plötzliche Belastungen wie Schneeschippen oder schweres Tragen bei Kälte.
1.2 Infekte schwächen das Herz
Winterzeit ist Infektzeit. Grippeviren, RSV oder andere Atemwegsinfektionen können das Herz direkt und indirekt belasten:
- Sie erhöhen Entzündungswerte im Körper
- Der Puls steigt
- Der Sauerstoffbedarf wächst
- Fieber beschleunigt den Stoffwechsel
Bei schweren Infekten kann sich sogar eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) entwickeln – oft unterschätzt, aber potenziell gefährlich. In der Praxis sehen wir immer wieder Patienten, die nach einer „verschleppten Erkältung“ mit Herzstolpern, Atemnot oder Leistungsschwäche kommen.
1.3 Stress im Dezember – der stille Risikofaktor
Der Winter bringt nicht nur Kälte, sondern auch psychische Belastung:
- beruflicher Jahresendstress
- private Verpflichtungen
- Feiertagsorganisation
- finanzielle Belastungen
- emotionale Erwartungen
Chronischer Stress erhöht dauerhaft Blutdruck, Herzfrequenz und Entzündungswerte. Er beeinflusst Schlaf und Essverhalten – und kann sogar ein Broken-Heart-Syndrom (Stress-Kardiomyopathie) auslösen, das besonders bei Frauen vorkommt.
1.4 Schwere Mahlzeiten & Alkohol – ein gefährliches Duo
An Weihnachten und Silvester wird meist reichhaltiger und fettiger gegessen als üblich. Die Folgen:
- Anstieg von Blutfetten
- höhere Blutdruckwerte
- verstärkte Herzarbeit
- alkoholbedingte Rhythmusstörungen (Holiday-Heart-Syndrom)
Besonders riskant sind Kombinationen aus üppiger Mahlzeit + Kälte + Stress + Alkohol.
1.5 Weniger Bewegung – mehr Risiko
| Ursachen für weniger Bewegung im Winter | Auswirkungen auf die Herzgesundheit |
|---|---|
| kürzere Tage | schlechtere Durchblutung |
| Kälte | höherer Blutdruck |
| mehr Indoor-Zeit | mehr Stresshormone |
| Jahresendstress | Gewichtszunahme |
| — | erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt im Winter |
2. Wer ist im Winter besonders gefährdet?
Sie sollten besonders achtsam sein, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:
✔ bekannter Bluthochdruck
✔ Diabetes
✔ erhöhte Blutfette
✔ bekannte koronare Herzkrankheit
✔ familiäre Vorbelastung
✔ Rauchen
✔ starkes Übergewicht
✔ vorangegangener Herzinfarkt
✔ Stress oder Schlafprobleme
✔ kürzlicher Infekt, besonders mit Fieber
Auch Menschen, die „eigentlich gesund“ sind, können infekt- oder stressbedingt akut gefährdet sein – deshalb gilt Prävention für alle.
Warnzeichen für einen drohenden Herzinfarkt
Achten Sie besonders im Winter auf folgende Symptome:
→ Druck oder Schmerz im Brustkorb
→ Ausstrahlung in Arm, Rücken, Kiefer
→ Atemnot
→ ungewohnte Erschöpfung
→ Herzstolpern
→ Übelkeit, Schweißausbrüche
Bei solchen Symptomen: Notruf wählen (112)
3. Was Sie im Winter konkret für Ihr Herz tun können
Hier finden Sie einen Überblick über Maßnahmen, die wir aus kardiologischer Sicht besonders empfehlen.
A) Richtig mit Kälte umgehen
✔ warm kleiden – vor allem Extremitäten
Kälte beginnt fast immer an Händen, Füßen, Ohren. Wenn diese warm bleiben, verengen sich die Gefäße weniger.
✔ starke Temperatursprünge vermeiden
Vom warmen Wohnzimmer direkt in die Kälte zu gehen belastet das Herz abrupt.
✔ Belastung langsam steigern
Besonders beim:
- Schneeschippen
- sportlichen Aktivitäten
- zügigen Gehen
- Arbeiten im Freien
Beginnen Sie langsam, damit sich Gefäße und Herz anpassen können.
B) Infekte ernst nehmen
✔ Bei Fieber oder starkem Infekt: kein Sport
Der Herzmuskel ist in dieser Phase besonders verletzlich.
✔ Nach Infekten nicht zu früh belasten
Die Faustregel:
3 Tage fieberfrei → langsamer Belastungsaufbau
✔ Warnsignale einer Myokarditis:
- Brustschmerzen
- Herzstolpern
- starke Müdigkeit
- Atemnot bei geringer Belastung
Bei solchen Symptomen immer ärztlich abklären lassen.
C) Stress reduzieren – besonders im Dezember
Der Dezember eignet sich hervorragend für bewusstes Gegensteuern:
- realistische Erwartungshaltung
- Pausen im Terminkalender
- tägliche kurze Entspannungsübungen
- Prioritäten setzen
- Aufgaben delegieren
Aus kardiologischer Sicht sind sogar 10 Minuten tägliche Atemübungen messbar wirksam.
D) Ernährung leichter gestalten
Wir empfehlen:
- kleinere Portionen
- langsam essen
- schwere Mahlzeiten eher mittags statt abends
- nach dem Essen 10–15 Minuten gehen
- Alkohol reduzieren (beugt Rhythmusstörungen vor)
Die mediterrane Küche bietet eine herzfreundliche Alternative – auch im Winter.
E) Bewegung trotz Winter integrieren
Sie müssen nicht draußen frieren – Bewegung geht immer:
- indoor Spazieren (z. B. im Einkaufszentrum)
- leichtes Krafttraining
- Gymnastik
- Yoga oder Atemübungen
- kurze Bewegungseinheiten zu Hause
Schon 30 Minuten täglich senken das Herzrisiko spürbar.
4. Wann sollten Sie im Winter unbedingt ärztliche Hilfe suchen?
Sofortige Abklärung ist nötig bei:
→ neu auftretenden oder verstärkten Brustschmerzen
→ Druckgefühl hinter dem Brustbein
→ Atemnot
→ Herzstolpern oder sehr schnellem Puls
→ starker Müdigkeit nach Infekten
→ Schwindel oder Ohnmacht
Je früher Herzprobleme erkannt werden, desto besser können wir helfen.
5. Wie wir Sie in der Praxis von Prof. Sabin im Winter unterstützen können
Unsere Praxis bietet eine umfassende Diagnostik und individuelle Beratung, darunter:
- Ruhe- und Belastungs-EKG
- moderne Echokardiografie
- Koronar-CT & Calcium-Score
- Analyse von Herzrhythmusstörungen (Langzeit-EKG)
- Blutdruck- und Belastungsdiagnostik
- Beratung zu Lebensstil, Stress und Ernährung
- Risikoabschätzung für Herzinfarkte
- Nachsorge nach Infekten oder Herzereignissen
Gerade im Winter ist eine genauere Einschätzung des persönlichen Risikos oft sinnvoll.
Fazit: Mit Wissen und Achtsamkeit gut durch den Winter
Der Dezember ist zweifellos eine Herausforderung für das Herz. Doch mit der richtigen Vorbereitung und einem bewussten Umgang mit Kälte, Stress und Ernährung können Sie Ihr Risiko deutlich reduzieren.
Wir in der Praxis von Prof. Sabin unterstützen Sie gerne dabei, gut durch die Wintermonate zu kommen – kompetent, sorgfältig und persönlich.